Abenteuer Tramhaltestelle

Abenteuer Tramhaltestelle „Busestraße“ in der Crüsemannalle im Stadtteil Schwachhausen

Eine Frau steht verunsichert an der Tramhaltestelle Busestraße und sagt: „Ich muss mich in Gefahr begeben, um zur Haltestelle zu gelangen.“ Sie schiebt ihren Rollator auf dem Geh- und Radweg zwischen den dicht geparkten Autos hindurch, touchiert leicht eine Fahrzeugtür und begibt sich mutig auf die Fahrbahn. Schon rast ein Fahrzeug vor ihr auf der Straße entlang. Die Sicht ist ihr völlig versperrt. Sie reißt erschrocken ihren Rollator zurück, der leider vorne keine Augen hat, um zu schauen, ob die Straße frei ist.

Ein auf dem Schutzstreifen parkendes Fahrzeug, eines Sanitärbetriebes hat sich hier auf dem Geh- und Radwegbereich einen „Wochenend-Betriebsparkplatz“ ergattert und genießt das unter den Augen einer lethargischen Behörde, von der Polizei ganz zu schweigen.“Betriebsparkplatz” eines Sanitärbetriebes (Foto: Bernd Thomsen)

Doch der Parksünder ist auf dem Geh- und Radwegstreifen nicht allein.

Schon seit Jahren unterstützt ihn eine erhebliche Anzahl von ParksünderInnen, in Missachtung der einschlägigen Verkehrsregeln – oder hat hier die Behörde in ihrem Dienst wegen fehlender Verkehrsüberwachung versagt? Unbedingt nötig ist eine konsequente Verkehrsüberwachung auch, weil hier oft gerast wird.

Beispiele:

  1. Die Müllabfuhr sucht sich mit den großen Müllcontainern mühsam einen Weg zwischen den eng parkenden Falschparkerautos zu ihren Müllfahrzeugen, ein Tanklastwagen bremst wegen eines die Fahrbahn stark verengenden Falschparkers abrupt ab, setzt zurück bis zu den Tramschienen, und der Fahrer/die Fahrerin des LKWs entscheidet sich, verbotswidrig über die Tramspur weiterzufahren.

Illegales Parken verhindert Durchfahrt für Tank-LKW (Foto: Bernd Thomsen)

Tank-LKW setzt zurück und fährt dann über Tramspur (Foto: Bernd Thomsen)

Parken stadteinwärts auf Schutzstreifen/Radweg Tramhaltestelle Busestraße (Foto: Bernd Thomsen)

2. Ein Müllfahrzeug fährt stadteinwärts. Der Fahrer weicht aus, da ein falsch parkendes Fahr zeug die reguläre Fahrspur blockiert. Das Müllfahrzeug muß in Richtung des Wartebereichs der Haltestelle ausweichen und überfährt dabei den Fußgängerbereich; damit gefährdet der Fahrer/die Fahrerin zwangsläufig wartende Fahrgäste, darunter Kinder und gehbehinderte Menschen.

3. Zudem wird regelmäßig über die Tram-Spur gefahren, und dieser Straßenabschnitt wird auch als „Überholspur“ benutzt, was eine weitere Gefährdung von FußgängerInnen im Innenbereich der Haltestelle zur Folge hat.

PKWs durchfahren verbotener Weise die Tramspur (Foto: Bernd Thomsen)

Was macht die Politik, was macht das zuständige ASV?

Nun kommt der Beirat Schwachhausen ins Spiel, der am 15.5.2019 (Protokoll Nr. 31 (2015-2019) einstimmig den Bürgerantrag der „Initiative autofreie Geh- und Radwege“ als Beschlussvorlage absegnet und mit einem Prüfauftrag an das ASV (Amt für Straßen und Verkehr) den Stein ins Rollen bringt. Darin wird das ASV gebeten zu prüfen, ob durch bauliche Veränderungen die Barrierefreiheit an der Haltstelle sichergestellt werden kann – die Crüsemannallee ist schließlich auch im Schulwegkataster Bremens aufgeführt. Das können und wollen die Beiratsmitglieder nicht ignorieren.

Das Amt für Straßen und Verkehr steht dem Beiratsbeschluss hinsichtlich baulicher Veränderungen in diesem kritischen Bereich nicht entgegen und bestätigt dies am 23.7.2019; eine Kostenaufstellung ist dem beigefügt. Allerdings hat das ASV nicht hinreichend geprüft, inwieweit durch bauliche Veränderungen auch etwas gegen das gefährliche Parken in zweiter Reihe im Haltestellenendbereich getan werden kann. Begründet wird dies Versäumnis nicht, daher hat die Initiative am 22.10.2019 nachgehakt, aber bisher noch keine Antwort erhalten.

Parken in zweiter Reihe Crüsemannallee stadtauswärts – HausNr.  39/41 (Foto: Bernd Thomsen)

Parallel dazu beschließt der Verkehrsausschuss des Beirates am 5.11.2019 einstimmig die folgende bauliche Maßnahme: Es werden Poller auf dem Schutzstreifen an der Haltestelle Busestraße angebracht. Die Barrierefreiheit wird wiederhergestellt und ein hohes Gefährdungspotential beseitigt. Dieses Votum, da einstimmig, gilt somit als Beschluss des Beirates Schwachhausen; die Initiative spricht allen Mitgliedern des Beirates einen herzlichen Dank aus.

Und was sagt der Koalitionsvertrag denn zu all dem?

Es ist nunmehr November 2019, der Winter rückt näher und die Initiative sieht der zügigen Umsetzung des Anliegens entgegen. Oder soll der unzumutbare Zustand etwa noch länger anhalten? Denken wir doch noch einmal an die Bürgerin mit ihrem Rollator, an die Schulkinder, die immer wieder vom Radweg gedrängt werden und auch an die zu schützenden Bäume und zu allerletzt an den aktuellen Koalitionsvertrag – mit diesem Zitat, das Mut machen kann:

„Fußgänger*innen

Die Verkehrsplanung ist oft noch an Autos ausgerichtet. Die derzeitige Aufteilung des Verkehrsraumes drängt schwächere Verkehrsteilnehmer*innen an den Rand von Wegen und Straßen.

Wir wollen daher in dieser Wahlperiode den Fußverkehr stärken. Dazu werden wir dafür sorgen, dass der Fußverkehr eine bessere Berücksichtigung in der Verkehrsplanung erfährt um damit die Mobilität von Zufußgehenden sicher und attraktiv zu gestalten. 

 Wir werden Falschparken konsequent verhindern, insbesondere an Einmündungsbereichen. Die Praxis des aufgesetzten Parkens wollen wir zurückdrängen und dazu das Gespräch mit den Beiräten suchen. Hierbei ist auch Anwohnerparken einzubeziehen. Nur so können sich Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren und im Rollstuhl barrierefrei und sicher bewegen, können die Müllabfuhr und Rettungsfahrzeuge ohne Hindernisse durch die Straßen kommen.“PKW parkt illegal im Wartebereich der Haltestelle Crüsemannallee (Foto: Bernd Thomsen)

Wenn der letzte Quadratmeter auf Rad- und Gehwegen zugeparkt ist, dann eignen sich Falschparkende auch noch die Wartebereiche der Haltestellen an, wie ein parkendes Fahrzeug an der Haltestelle Crüsemannallee belegt. Es gibt noch eine andere „parkfreundliche“ Anwohneridee, nämlich Zugunsten von Parkplätzen auf den einen oder anderen Baum zu verzichten.

Für Bremen wird aus den Reihen von der Automobilindustrie nahestehenden Instituten aktuell immer noch eine Zunahme von Kraftfahrzeugen prognostiziert – dann müsste womöglich gar tatsächlich die Kettensäge ran! Da würde sich sicher der Finanzminister über die steigenden Erträge aus der Kfz-Steuer freuen. Soll er der lachende Dritte sein?

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