Unser Nächstes Thema : Parken

Ring frei für eine neue Diskussionsrunde! Mit diesem Video von dem Aktionskünstler und Carwalker Michael Hartmann beginnen wir das ach so beliebte Thema „Parken“ oder auch „Wo lass ich mein heilix Blechle den ganzen Tag?“. Gerade auch das „Ich will nur mal eben“ oder „ In zwei Minuten bin ich wieder da“ kann sich für andere zur regelrechten Straßenschlacht entwickeln. Viel Spaß bei der Einstimmung auf das Thema „Parken“ auf Bremenize!



2 Gedanken zu „Unser Nächstes Thema : Parken

  1. Sehr gut, dieses Thema endlich anzugehen. Immer das selbe Argument: Wo sollen die Leute denn ihre Autos abstellen, wenn nicht genügend legale Abstellmöglichkeiten vorhanden sind. Also ob es ein grundgesetztlich verbrieftes Recht gäbe, in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung mein Auto (oder auch zwei oder noch mehr) parken zu können.
    Auf der Planungskonferenz „Ruhender Verkehr“ in der Neustadt wurde gesagt, dass Quartiersgaragen aufrund der hohen Kosten keine Alternative seien, da niemand bereit wäre, 100 € oder sogar mehr im Monat für einen Stellplatz auszugeben. Na klar, würde ich auch nicht, wenn ich mein Auto illegal zum Nulltarif auf dem Gehweg abstellen kann und oft dazu noch näher an der Haustür. Denn seit Jahrzehnten schon bleibt das völlig folgenlos, ganz im Gegensatz dazu, wenn ich zu lange auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz stehe. Da gibt es schnell ein Knöllchen; aber hier behindere ich ja schließlich andere Autofahrer, die auch gerne auf diesem Platz stehen möchten, während es sich beim Gehweg ja nur um Fußgänger, Rollstuhlfahrer und radfahrende Kinder handelt, die ja bis 8 Jahre auf dem Gehweg fahren müssen (wenn sie denn könnten).
    Interessant finde ich auch, dass es ganz offensichtlich Anweisungen an die Parkraumüberwacher gibt, verkehrsgefährdendes Parken auf dem Gehweg nicht zu ahnden. So lange hier nicht endlich konsequent geltendes Recht angewandt wird, können wir uns all das Gerede von der Förderung des Fußverkehrs von der Backe putzen. Hindernislaufen durch die Wohnstraßen macht die Fortbewegungsart „zufuß“ nicht gerade attraktiv.
    Aber da brauchen wir ja so viel Überwachungspersonal, das würde schon allein Monate dauern, bis das eingearbeitet ist, und wer soll das bezahlen? Unsinn: die Verkehrsüberwacher bräuchten bloß die Anweisung bekommen, immer zuerst Parken mit Behinderung/Gefährdung zu ahnden, und erst wenn das abgearbeitet ist (wofür sie lange arbeiten müssten), sich mit den anderen Falschparkern zu befassen, die ja schließlich niemanden behindern. .

  2. Wie so oft wurde auch auf der Planungskonferenz hauptsächlich über den Platzbedarf von Autobesitzern für ihr Auto und den dadurch entstehenden Konflikt, wenn sie es auf den Gehsteigen abstellen geredet. Es wurde viel über unterschiedliche Nutzungsansprüche und Interessenslagen verschiedener Verkehrsteilnehmer auf dem Gehweg gesprochen, obgleich dieser laut StVO einer klaren Nutzungsdefinition unterliegt. Das Bedürfnis nach Rettungssicherheit wurde dem Bedürfnis nach Parkraum auf dem Gehsteig fast gleichgestellt.
    Wir sollten uns aber, lange bevor wir an das Auto und die ausufernden Platzbedürfnisse von Autobesitzern nachdenken fragen, was braucht ein Mensch der auf einen Rollstuhl oder auf einen Rollator angewiesen ist um am Leben teil zu nehmen? Was braucht ein dreijähriges Kind, dass selbstständig sein Lebensumfeld erkunden möchte (es ist ein Grundrecht und es gibt viel Literatur darüber, wie wichtig es für die kindliche Entwicklung ist, sich von den Eltern zu lösen und erste Schritte in die Unabhängigkeit zu wagen in seinem unmittelbaren Wohnumfeld )? Was benötigen alte Menschen um außerhalb der Wohnung sicher am Leben teilnehmen zu können? Was brauchen blinde oder sehgeschwächte Menschen um zum Einkaufen zu gelangen? Was braucht der Mensch als Fußgänger oder Fahrradfahrer? All diese Fragen sind in den letzten Jahrzehnten nicht mehr in der richtigen Reihenfolge gestellt worden. Auch an diesem Abend wurden sie vermieden, obwohl die Menschen um die es in diesen Fragen geht, die Hauptdarsteller in diesem Drama sind. Sie sind, um es überspitzt auszudrücken ins Exil gegangen. Bei den Kindern spricht man von der Verhäuslichten Kindheit, die Menschen mit Einschränkungen und evtl. Hilfsmitteln brauchen meistenteils Begleitung um den Slalomlauf und die Hindernisfahrt heile zu überstehen. Sie meiden vielfach den öffentlichen Raum und werden damit unsichtbar für eine Gesellschaft die so beschäftigt ist mit ihren eigenen kleinen Bedürfnissen. Die Bedürfnisse sind oft sehr unterschiedlich aber es gibt eine Grundausstattung ohne die wir alle nicht gut leben können: Verständnis, Solidarität, Fürsorge, Rücksichtnahme und gesellschaftliche Achtung der Grund- und Menschenrechte. Wenn wir anfangen diese Grundlagen des menschlichen Miteinanders aufzukündigen dann sind wir auf einem Weg, der uns allen in der Zukunft nichts Gutes verspricht.
    Heute Abend gab es kleine Momente die Anlass zur Hoffnung geben, dass es Sinn macht die Menschen in den Behörden und in der Politik zu unterstützen die für einen Paradigmenwechsel stehen. Immer mehr Menschen zeigen die Rote Karte und verlangen ein Umdenken der Gesellschaft. Es ist ein zartes Pflänzchen aber es braucht viel Kraft, Energie und Lautstärke zum Wachsen.

    Veränderung ist ein Prozess der Zeit braucht, was er aber zuallererst braucht ist der unbedingte Wille und die Einsicht, warum die Veränderung sein muss. Dann braucht es Menschen die Mut haben für diese Veränderungen einzustehen und alles dafür tun die Menschen dafür zu gewinnen.
    Es gab heute Abend Beiträge die der Veränderung aufgeschlossen gegenüber stehen und sie fördern wollen. Die Mehrzahl der Beiträge aber plädierten für ein Verständnis, dass die Autos doch irgendwo umsonst , in der unmittelbaren Nähe zur Wohnung stehen müssten und dass die Verkehrsfläche Bürgersteig mit den Autobesitzern „gerecht“ geteilt werden müsse.

    Zu diesem Mangel an Wollen passt auch die Weigerung eine effiziente Parkraumbewirtschaftung und flankierende Kontrollen einzuführen um alternative Maßnahmen wie Car-Sharing, Straßenbahnausbau, Radwege, Fußwege wirksam zu unterstützen.
    Das ist gelinde gesagt Staatssubventionierung von Parkraum für Autobesitzer und Missachtung von Rechten der schwächeren,nichtmotorisierten Verkehrsteilnehmer. Nach den Antworten und Statements des heutigen Abends muss ich davon ausgehen, dass die Behörde und Politik Bremen nur Vordergründig Klimaziele und EU-Vorgaben bearbeiten, sie aber nicht wirklich erreichen wollen. Es ist sozusagen ein Feigenblatt. Die guten Leute Behördenvertreter und Politiker werden beschäftigt und im Kreis geschickt, ohne ihnen wirklich beizustehen und sie zu unterstützen. Bremen geht da keinen eigenen Weg, es ist der kleine Bruder der Bundespolitik. (Bsp.Verkehr Hendricks/Dobrindt)
    Dobrindt ist zweifellos eine Katastrophe für eine Klimaschonende Verkehrspolitik der Bundesregierung, aber Bremen hätte viel mehr Möglichkeiten als es heute nutzt.
    Es darf ja auch mal gefragt werden wieso trotz all der sinnvollen und guten Maßnahmen wie Car-Sharing, Bahnausbau und Fahrradstrassen die ja schon einige Jahre verfolgt und auch gefördert werden, die Motorisierung weiter kontinuierlich rapide wächst und die Autos immer breiter, länger, schwerer, und höher werden. Wenn es wirklich ein Wollen gäbe würde man das kritisch untersuchen und seine Maßnahmen dementsprechend verändern und nicht immer die gleichen Mantras runterbeten.
    So manche Aussagen heute Abend hatten was von einem Double-Bind.
    Cornelia Ernst

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