Bremer Hofnarretei No.1: „Schnäppchenjäger/in“

foto: Konrad Zaiss

Von den Bremer Hofnarren und -närrinnen erreichte uns folgender Text, den wir, die wir doch wiederholt die „Fahrradstraße“ Parkallee kommentiert haben, Euch nicht vorenthalten wollen. Wir wünschen den Schreiber*innen ein langes und immer mal wieder glückliches Leben.

Schnäppchenjäger/in

Hinweis von seiten des/der Verfassers/Verfasserin:  „Der folgende Text meint Männer, sollten sie weiblichen Geschlechtes sein, gilt der Text gleichermaßen.“

Da reibt er sich die hanseatischen Hände und ist mal wieder so recht zufrieden mit sich und der Welt!

Bald könnte der brave und engagierte Bewohner des schönen Barkhofviertels es geschafft haben, ein weiteres wirkliches Schnäppchen für sich und die Seinen vereinnahmt zu haben! Und dies mit bebendem Herzen, voller Innbrunst und selbstgewiss seiner rechten Bürgergesinnung, die, so liest man ihn  gelegentlich sich empören, an anderer Stelle in dieser Stadt des Öfteren ihm ach so schmerzlich fehlt!

Ein Grundstück wird er gemietet haben, im Barkhofviertel, dort wo die Wohnungen des Üblichen etwas größer und schöner und teurer sind, dort wo auch nobleres Gewerbe seine Geschäfte verrichtet, dort, direkt vor den Toren der Innenstadt, wo sich Arzt und Makler, Berater und Rechtsanwalt, gehobener Beamte und mittlerer Wirtschaftsmanager „Gute Nacht“ sagen.

Das hat er ganz fix im Kopf überschlagen, mit hanseatischer Kaufmannsschläue, für so etwas hat er ein Näschen, da macht ihm noch kaum einer etwas vor! Ein Grundstück? Für um die 10 ct. Miete für den qm im Monat? In Schwachhausen, wo doch sonst für den qm unter 5 € je Monat überhaupt gar nichts mehr geht? Und das auch noch schlüsselfertig hergerichtet, Wartungs- und Nebenkosten inklusive? Das wäre doch wirklich gegen sein Naturell, wolle man, dass er dazu „Nein“ sage! Ein Super-Schnäppchen! Und die Anderen finden es auch noch gut, die Familie und die Nachbarn? Da muss er doch handeln, da muss er einfach zupacken – schon aus Prinzip!

Da hat er dann fix ein paar Hundert Unterschriften gleichgesinnter Schnäppchenjäger zusammen, da feiert sich bürgerschaftliches Engagement, da lässt der tätige Bürger nichts auf sich kommen und schon gar nichts anbrennen! Da greift er zum Telefon, da werden die Kontakte aktiviert, da geht er von Haus zu Haus, da verständigt man sich schnell und unbürokratisch, da ist ein runder Tisch probates Mittel! Und wozu sind denn unsere Verbände und Kammern gut …? Na also, geht doch! Und wer da Anderes will, der muss sich warm anziehen, aber ganz warm! Was? Die Behörde will nicht so recht…? Unerhört, die Stadt gehört doch wohl immer noch uns Bürgern!

Fragst Du, von welchem Grund die Rede ist? Na, von den  Parkplätzen entlang des innenstadtseitigen Abschnittes der Parkallee, dort wo sie „Fahrradstraße“ ist!

Und willst Du wissen: wieso nur „um die 10 ct.“ je qm je Monat? 30 € im Jahr pro Parkberechtigung im Bewohnerparkgebiet, das sind je Monat 2,50 EUR für ca. 12 qm, das wiederum ist der sagenhafte Schnäppchenpreis von 10 ct. je qm und Monat.

Aber, meinst Du: „5 € je qm im Barkhof“ – das ist doch auch schon lange vorbei! Auf kleinanzeigen.de findet man doch dort noch gelegentlich einen Stell- oder Garagenplatz auf Privatgrund ab 60 € Monatsmiete.

Aber, meinst Du noch einmal, „das ist doch das 50-fache dessen, was die Stadt für’s Bewohnerparken nimmt“! Ja richtig, da siehst Du halt, wie gut er rechnen kann,  der „Barkhofer“, wenn es um sein Portemonnaie geht.

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